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Zillo Nr. 2 Februar 1993: Zillo - Festival
Die zum Jahresausklang stattfindenden Zillo-Festivals sind mittlerweile schon Tradition geworden. Stationen der 1992er Tour waren Bielefeld, Leipzig, Hamburg und Frankfurt. Über mangelndes Zuschauerinteresse konnte nicht geklagt werden, alle Hallen hatten regen Zulauf. Das Festival stand ganz im Zeichen des deutschen Undergrounds: Mit Umbra Et Imago, Catastrophe Ballet, The Eternal Afflict, Invincible Spirit und Wolfsheim wurden gleich fünf deutsche Bands verpflichtet.
Unser Frank Rummeleit hat sich im "PC 69" in Bielefeld umgesehen. Wieder einmal erwies sich das Bielefelder "PC 69" als Dreh- und Angelpunkt einer aktiven schwarzen Szene aus dem weitläufigen Raum Ostwestfalen/Lippe. Neben dem Stammpublikum, welches sich regelmäßig zur Freitags-Indie-Disco im "PC 69" trifft, kamen Liebhaber schwarzer Independentmusik weitgereist nach Bielefeld. Durch Beiträge auf den Zillo-"German Mystic Sound"-Samplern sind alle Bands einem breiten Publikum geläufig. So konnte man sich einen Live-Eindruck von gleich vier Bands verschaffen, die auf dem aktuellen, dritten Teil der Reihe vertreten sind. Invincible Spirit war bereits auf dem Erstling dabei.
Einen schweren Stand hatte die junge süddeutsche Formation Umbra Et Imago um Frontmann Mozart. Mittels mystisch/erotischer Dias wurde eine Komponente ihres Konzepts, die Erotik, visuell umgesetzt. Die Bühne wurde von düsteren Synthieklängen in ein Endzeitszenario getaucht. Doch Mozarts klischeebeladene Show weckte einigen Unmut beim Publikum. Anfänglich noch in eine schwarze Kutte gehüllt, offenbarte er sich den Augen der Anwesenden alsbald im smarten Herren-Domina-Leder-Outfit. Homosexuelle Kopulationseinlagen mit dem Keyboarder trugen ebenfalls nicht zu jedermanns Begeisterung bei.
Als erster Höhepunkt an diesem Abend erwies sich die Trierer Band Catastrophe Ballet, deren Frontmann Eric Burton die weiblichen Fans in seinen Bann ziehen konnte. Dominierte an diesem Abend überwiegend elektronisches Equipment, so ließen Catastrophe Ballet mit Dark-Wave-Gitarre und Schlagzeuger aus Fleisch und Blut erstmals echtes Live-Feeling aufkommen. Krönung ihres Sets war zweifellos ihr Zillo-Sampler-Hit "House Of Pain". Cyan (Ges.) und Mark (Keyb.) von The Eternal Afflict haben sich innerhalb kürzester Zeit mit überproportional hohen Releases ihren Platz in der deutschen Indie-Szene erspielt. Gothic-und Electroklänge, die innovativ zu einem kraftvollen Crossover fusionieren, prägen ihr Klangbild. Der größte Verbrauch von Kunstnebel ging eindeutig auf ihr Konto, gepaart mit apocalyptischen Scheinwerferblendwerk war Cyan oftmals nur schemenhaft im Nebel auszumachen. Ihr Dance-Hit "San Diego" vom Zillo-Sampler erfreute sich großer Beliebtheit im Saal.
Thomas Lüdke mit Invincible Spirit galt einst als König der deutschen E.B.M.-Szene, doch diese Lorbeeren sind längst verwelkt. Verglichen mit dem heutigen Standard der Techno-Szene hat er den Sprung von den 80ern in die 90er nicht ganz geschafft. Seine Klassiker wie "Love Is A Kind Of Mystery" oder "Push" kamen gut im Saal an, doch bei den neuen Stücken fehlte die Identifikation. Durch den Einsatz von heavy Gitarren und brachialen Synthies durfte er sich aber die Trophäe härtester Act an seine Fahne heften.
Gegen 23.00 Uhr traten des Hamburger Duo Wolfsheim auf die Bühne, um als Headliner dieses Festival zu krönen. Aufwallender Nebel, ein grollendes Intro und das Wolfsheim-Logo wird auf zwei riesigen Fahnen entrollt. Das hatte schon irgendwie etwas bombastisches. Markus Reinhardt nimmt seinen Platz hinter dem Keyboard ein, Sänger Peter Heppner stellt sich schüchtern hinter sein Mikro. Die Wolfsheim-Musik stellt eine eigenständige Mixtur aus klassischen Elementen und Synthie-Pop dar. Schwere, getragene Melancholie prägt ihre Melodien und macht ihre Musik somit zu einem Sahnestück für Extrem-Romantiker. Klänge zum Träumen. Peters Stimme fährt klar und transparent aus den Boxen. Sein emotional packender, einfühlsamer Gesang in Verbindung mit den zerbrechlichen, klassikinspirierten Strukturen des Songs "Annie", umhüllt von flackerndem Stroboskoplicht und wallenden Nebelschwaden, kreiert eine abstrakte, unreale Traumwelt. Losgelöst von irdischem Streß.
Alles in allem ein wohlabgerundetes Gesamtkonzept mit rein deutschen Bands des Underground.
Text: Frank Rummeleit |