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Zillo 12/02-01/03: 

Wolfsheim - Studiobericht

   

Rund vier Jahre ist es her, dass Wolfsheim mit Ihrem Album „Spectators“ ein erfolgreiches Kapitel ihrer Bandgeschichte aufgeschlagen haben. Die Zwischenzeit wurde dem Fan mit allerlei Nebenaktivitäten von Peter Heppner und Markus Reinhardt versüßt – ein neues Album war aber lange nicht in Sicht. Anfang 2003 nehmen Wolfsheim endlich, nach mehreren Verzögerungen, den Kontakt mit „Close Enough“ wieder auf.

 

„Wir haben die letzten vier Jahre ja nicht tatenlos rumgesessen. Als die Welle von ,Spectators' abebbte, haben wir direkt wieder angefangen, an neuem Mate­rial zu arbeiten. Allerdings haben wir nach der zweiten, dritten Session festgestellt, dass da nichts bei herauskam. Es klang wie ein zweiter Teil des Vorgängers“, gesteht Peter, „es hat einfach etwas langer gedauert, bis wir eine neue Richtung gefunden hatten.“

 

Mit diesen Worten führen Peter Heppner und Markus Reinhard die kleine Gruppe geladener Journalisten in die Räume des Berliner Studios. Zwischen dem üblichen Gewirr aus Mischpulten und Demos von Enrique Iglesias werden wir nun die ersten Zeugen von „Close Enough“. Geändert hat sich - zum Glück - nicht viel. Noch immer markieren melodiöse Electrosongs den Stil der Band. Allein Peters Gesang scheint noch mehr herauszustechen. „Das ist aber keine Absicht. Einige Songs haben eine ruhige Grundstimmung. Dadurch mag dieser Eindruck entstehen.“ Verwunderlich wäre es ja nicht gewesen: Immerhin hat Wolfsheim von den zahlreichen Gastspielen des Sängers stark profitiert. „Stimmt, aber genau deshalb wollten wir diesen Eindruck auch vermeiden. Das wäre mir zu offensichtlich gewesen.“

Statt dessen gibt es verträumte Melancholie in der Alvarez-Produktion „And I“, die durch ein Schlagzeug an Authentizität gewinnt. Markus sieht's offenbar genauso: „Der Drummer hat es wirklich schwer gehabt. Wir hatten nämlich genaue Vorstellungen, wie es klingen sollte. Er wollte uns natürlich zeigen, was er drauf hat, und wir haben ihn genötigt, eher leierig und schlapp zu spielen. Am Ende war er total verzweifelt und überhaupt nicht von seiner Arbeit überzeugt. Dabei klingt es furchtbar geil.“  

 

Nicht minder eindrucksvoll kommt „I Won't Believe“ daher, das sich nach einem sanften Intro zu einem opulenten Werk steigert. Entspannung bietet dagegen die relaxte House-Atmosphäre in „I Care For You“.  Insgesamt sieben Stücke hat das sympathische Duo für uns zusammengestellt, die von zarten Balladen bis zu druckvollem Pop das breite Spektrum der Platte erahnen lassen. Nur auf die Texte sollten wir nicht achten, betont Peter. Bis auf die Single seien alle noch im Layout-Stadium. Wie kommt es denn, dass nach so langer Zeit noch keine Lyrics vorhanden sind? „Ganz einfach“, erklärt Markus, „die Platte war schon vor längerer Zeit fast fertig. Aber dann hat sich im Produktionsprozess noch soviel verändert, dass die Texte überhaupt nicht mehr zum neuen Sound gepasst haben. Also haben wir alles neu geschrieben.“  

 

Zum Abschluss dürfen dann endlich die neue Single hören, die Anfang 2003 in den Laden stehen wird. „Kein Zurück“ ist ein nachdenkliches Stuck, das einen wehmütigen Blick in die Vergangenheit wirft. Glauben Wolfsheim, irgendetwas falsch gemacht zu haben? „Die Frage, ob man heute nicht etwas anders gemacht hätte, stellt sich doch jeder mal. Einerseits ärgert man sich, dass man Vergangenes nicht mehr ändern kann. Andererseits kann man es einem aber auch niemand mehr nehmen.“  

 

Nach dem Erfolg von „Künstliche Welten“ ist es aber schon überraschend, dass sie wieder mit einem deutschsprachigen Stuck herauskommen. „Da steckt gar nicht soviel Kalkül dahinter, wie es vielleicht auf den ersten Blick aussieht“, erklärt Peter. „Vermutlich hatten die Radiostationen auch eher auf eine Uptempo-Nummer gesetzt. Es gibt so viele Dinge, die man berücksichtigen konnte. Wir haben den Song einfach gewählt, weil er unser neues Schaffen am besten repräsentiert.“  

 

Nach diesem ersten Eindruck kann man getrost vermuten, dass da ein gelungenes Album auf die Hörer zukommt. Diese werden sich auch rechtzeitig ein Urteil machen können. Denn wie zu erwarten, wird die Plattenfirma für „Close Enough“ kräftig die Werbetrommel rühren. Also, haltet Augen und Ohren offen.

  

Elmar Klemm