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t-music: Wolfsheim versöhnen für lange Wartezeit
Na
endlich! Vier Jahre mussten die Fans auf ein neues Wolfsheim-Album warten. Doch
schon der Vorbote, die Single "Kein zurück", versöhnte für die
lange Wartezeit. Auf ihr vereinte das Duo aus Hamburg einmal mehr alle Qualitäten,
die den Sound Wolfsheims ausmachen. Große Melodien und viel Gefühl für
eindringliche Songs. Auf dem Album "Casting Shadows" reihen sich
solche Titel wie auf einen Perlenschnur aneinander.
Abwechslungsreich und vielseitig. Die
neue Scheibe hat aber nicht nur diese für Wolfsheim typischen Songstrukturen zu
bieten. Sie entpuppt sich vielmehr als das abwechslungsreichste und
vielseitigste Werk von Peter Heppner und Markus Reinhard. Arbeitete das Duo in
der Vergangenheit überwiegend mit rein elektronischen und sehr ähnlich
klingenden Sounds, wurden diese nun zu Gunsten einer viel diffizileren Rhythmik
vernachlässigt. Überhaupt wurde sehr viel Wert auf die Grooves und Percussions
gelegt. Beim Song "And I" kam sogar ein echtes Schlagzeug zum Einsatz.
Ob rhythmisch und treibend oder spielerisch und verträumt - das Duo beherrscht
die Leichtigkeit des Songschreibens.
Drei
Produzenten waren am Werk Wolfsheim
konnten ihren typischen Synthi-Pop-Sound damit deutlich aufpeppen. Songs nehmen
plötzlich ungeahnte Wendungen, wie "I Won't Believe", das sich aus
einer Ballade zur groovenden Uptempo-Nummer entwickelt. Die Einflüsse der drei
verschiedenen Produzenten mit denen Markus Reinhard und Peter Heppner diesmal
zusammenarbeiteten, haben sich bezahlt gemacht. Jeder einzelne Titel besticht
durch ganz eigene Ideen. Vom melancholischen Single-Track, über das
hypnotisierende "Underneath The Veil" bis zum locker-flockigen
"Wundervoll", dem zweiten deutschsprachigen Song des Albums, reicht
die Bandbreite. Dabei kommt aber die Wolfsheim-typische Ohrwurm-Qualität nie zu
kurz. Eine
unverwechselbare Stimme Das
eigentliche Markenzeichen der Band ist und bleibt jedoch die unverwechselbare
Stimme Peter Heppners. Sie thront über allem, aber ohne sich in den Vordergrund
zu drängen, und macht die Musik des Duos zu dem was sie ist. Mit "Casting
Shadows" ist es Wolfsheim gelungen, ein wundervoll poppiges, aber völlig
klischeefreies Album zu produzieren. Es biedert sich an keinen Trend an und ist
ein wohltuender Lichtblick im Einheits-Sound des Superstar-Zeitalters.
Wolfsheim
Zwischen
zwei Wolfsheim-Alben vergeht immer viel Zeit. Fast könnte man meinen, Peter
Heppner (Gesang) und Markus Reinhard (Keyboards) seien faul und untätig. Dabei
ist Peter ein gefragter Gastsänger und ließ seine Stimme unter anderem beim
Dance-Projekt Schiller erklingen. Und Markus ist an dem Projekt Care Company
beteiligt. Doch stürmte die Single "Kein zurück" die Charts und
weckte große Erwartungen auf das neue Album "Casting Shadows".
t-music sprach mit den beiden Musikern. t-music:
"Vier Jahre sind seit eurem letztem Album vergangen. Wieviel Zeit davon
habt ihr mit der Arbeit an "Casting Shadows" verbracht? Und wieviel
mit anderen Dingen?" Markus:
"Wir haben wirklich vier Jahre am neuen Album gearbeitet. Denn auch wenn
man Nebenprojekte betreibt oder Phasen der Erholung hat, ist man doch immer mit
Wolfsheim beschäftigt. Wir haben gleich nach "Spectators" mit der
Arbeit an neuen Songs begonnen, mussten dann aber feststellen, dass alles zu
sehr nach "Spectators" klang. Das gefiel uns natürlich nicht. Das war
langweilig und uninteressant. Und wenn wir das schon uninteressant finden, was
sollen dann die Leute denken, wenn wir so was auf den Markt bringen. Daher kamen
uns die Nebenprojekte ganz gelegen. Das war sozusagen Urlaub von Wolfsheim.
Trotzdem ist aber immer eine Hälfte unserer Gedanken bei Wolfsheim." t-music:
"Bezieht ihr aus euren Nebenprojekten Inspirationen für Wolfsheim?" Peter:
"Weniger. Wir machen Wolfsheim schon seit 16 Jahren. Und es gibt nicht viel
in meinem Leben, dass ich schon solange mache. Deshalb ist man, was solche
Inspirationen angeht, immer sehr befangen. Ich würde es eher Befreiung nennen.
Projekte, wie das mit Schiller zum Beispiel, haben mich wieder befreiter an
Wolfsheim-Songs arbeiten lassen." Markus:
"Wir tragen viel eher etwas von Wolfsheim in diese Projekte hinein, als
dass wir etwas mit herausnehmen." t-music:
"Das Album und eine Tour waren ja schon für's letzte Jahr geplant. Dann
habt ihr alles verschoben. Gab's da nicht auch Stimmen, die gesagt haben:
"Jetzt werdet aber langsam mal fertig!"?" Markus:
"Natürlich gab's die. Und eigentlich war der ursprüngliche Termin auch
realistisch. Doch auf einmal sah die Sache ganz anders aus. Wir mussten uns auf
die Songs neu einstellen. Hätten wir da das Album herausgebracht, wären wir
ihm nicht gerecht geworden. Erst jetzt können wir sagen, dass wir die CD so veröffentlichen,
wie sie es verdient." Peter:
"Wenn die CD nicht fertig ist, muss der Veröffentlichungstermin verschoben
werden. Ist doch gar keine Frage. Die CD ist wichtig, die Songs sind wichtig.
Veröffentlichungstermine sind es nicht." t-music:
"Was hat euch in den letzten vier Jahren beeinflusst, dass "Casting
Shadows" jetzt so klingt, wie es klingt?" Peter:
"Das kann ich gar nicht so genau sagen. Dafür haben wir ja die
Produzenten. Es ist jedenfalls nicht so, dass gewisse Bands oder Musikstile mich
beeinflusst haben." Markus:
"Wir haben viel mehr Erfahrungen gesammelt. Wir sind klüger und
selbstsicherer geworden. Daraus resultiert natürlich auch, dass man gewisse
Sachen, die man auf "Spectators" gemacht hat, vermeiden will. Wenn man
weiß, wie man etwas anders umsetzen kann, dann tut man das auch." t-music:
"Warum habt ihr mit drei verschiedenen Produzenten
zusammengearbeitet?" Peter:
"Das war gar nicht so geplant. Wir haben verschiedenen Produzenten Songs
vorgespielt und aus Gesprächen mit ihnen hat sich dann ergeben, wer welches Stück
produzieren wird. Die Zusammenarbeit mit allen Dreien war dann auch sehr eng.
Wir konnten über jedes Detail entscheiden. Und diese Stimmigkeit hört man den
Songs an." t-music:
"Euer Video zu "Kein zurück" hat wieder Detlev Buck gedreht. Nun
haftet ihm als Schauspieler und Regisseur ja eher dieses Komödianten-Image an,
während "Kein zurück" ein sehr melancholisches Lied ist. Wie war die
Arbeit mit ihm?" Peter:
"Wunderbar! Wir wollten unbedingt wieder mit ihm arbeiten und das hat ja
auch geklappt. Sein Video hat das Lied noch besser gemacht. Er selber fand das
Lied auch sehr gut, hatte aber am Anfang überhaupt keine Idee, wie er es
umsetzen sollte. Es hat dann auch ziemlich lange gedauert, bis eine Idee da war.
Wir bekamen schon langsam kalte Füße, weil der Abgabetermin für den Clip
immer näher rückte. Zwei Wochen davor war es dann endlich soweit. Aber das ist
eben ein Zeichen dafür, dass Detlev sich nicht einfach was aus den Fingern
gesogen hat." t-music:
"Wie war der eigentliche Dreh?" Peter:
"Alle waren sehr engagiert. Detlev kann am Set Situationen erzeugen, die für
uns ganz normal und natürlich sind. Wir brauchten uns kaum verstellen." Markus:
"Detlev hat verschiedene Gesichter. Er kann Komödiant sein aber auch und
gerade ernsthafte Themen mit dem richtigen Gefühl transportieren. Damit hat er
dieses Vabanque-Spiel zwischen Melancholie und Hoffnung mit seinen Bildern
unterstrichen, ohne einen Aspekt zu sehr hervorzuheben." t-music:
"Ist das die norddeutsche Mentalität, durch die man auf derselben
Wellenlinie schwimmt?" Markus:
"Ja, mit Sicherheit. Das merkt man einfach, wenn man miteinander redet.
Zwei Süddeutsche verstehen sich untereinander auch besser, als ein Oberbayer
und ein Flensburger." t-music:
""Kein zurück" handelt von unerfüllten Träumen. Welche Träume
haben Wolfsheim noch?" Peter:
"Dass uns nie die Ideen ausgehen und dass wir es immer schaffen,
musikalisch einen Schritt nach vorn zu gehen." Markus:
""Kein zurück" handelt aber auch von verwirklichten Träumen.
Und - ich möchte ja nicht größenwahnsinnig klingen - das haben wir schon
getan." Peter:
"Klar. Wir sind ständig dabei, unsere Träume zu erfüllen. Wir können
Videos mit Detlev Buck drehen. Das ist doch ein Traum. Wir können CDs
produzieren, wir können davon leben, dass wir Musiker sind. Das ist doch ein
Traum. Wir sind nach Prag gefahren, um dort von einem Orchester unser Lied
einspielen zu lassen..." t-music:
"Ihr seid aber auch in einer glücklichen, ja privilegierten Situation.
Seht ihr eure Songs als Motivation für Leute, die nicht in einer solchen Lage
sind?" Peter:
"Ich hoffe, dass es so ist! Die letzte Strophe von "Kein zurück"
heißt doch: "Verwirkliche deine Träume jetzt und warte nicht, bis du zu
alt dafür bist". Das steht nicht umsonst am Ende. Es ist ein Aufruf."
t-music:
"Der Titel "Wundervoll" sticht aus dem Album hervor. Sowohl
musikalisch, als auch textlich. Ist dieser ironische Text eine Abrechnung oder
Reflektion unserer Spaßgesellschaft?" Peter:
"Nee. Der Refrain ist ironisch, auf jeden Fall. Aber das ist eher Mittel
zum Zweck. Denn die Strophen sind sehr ernst gemeint. Das hat aber gar keinen
aktuellen Bezug. Der Text kommt aus der eigenen Erfahrung, die jeder in seiner
Jugend gemacht hat. Das kann heute, vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren sein.
Es geht darum, sich besinnungslos zu tanzen, zu saufen oder zu kiffen. Aber
irgendwann fragt man sich: "Was mach ich hier eigentlich?" Und weil
die meisten Kids, auf die das zutrifft, heutzutage diese Dance-Mugge hören,
klingt der Song eben ein bisschen nach Techno und Dance. Vor zehn Jahren oder
zwanzig Jahren hätte der ganz anders geklungen." t-music:
"Ist die Ironie ein neuer Aspekt in euren Texten?" Peter:
"Die hatten wir schon immer. Nur hat das noch nie jemand verstanden. Bestes
Beispiel ist "Künstliche Welten" vom "Spectators"-Album.
Das Ding ist von vorne bis hinten ironisch." t-music:
"Wahrscheinlich werdet ihr verkannt, weil euch das Image der Melancholiker
anhaftet." Peter:
"Ja, man denkt, wir grübeln den ganzen Tag vor uns hin. Also nee (lacht).
Wolfsheim ist nur ein Teil von uns. Und auch da sind Ironie und Humor auf jedem
Album vertreten." t-music:
"Was bringt euch zum Lachen?" Peter:
"Alles was witzig ist." Markus:
"Uns sind mal bei einem Konzert, so in der Mitte des Sets, zeitgleich alle
Syntheziser abgestürzt. Die leierten nur noch..." Peter:
"Damals war das natürlich überhaupt nicht lustig..." Markus:
"Aber heute können wir darüber lachen. Zumal es davon Live-Aufnahmen
gibt, die wir ab und an mal rauskramen. Das ist dann immer der totale
Lacherfolg!" t-music: "Vielen Dank für das Interview." |